Wünsche und Träume

Unsere Wünsche und Träume

Ich merke, dass ich mit meiner Wortwahl aufpassen muss. Betrete ich mit dem Thema Wünsche und Träume gerade ein Terrain, in dem wir in unserer Sprache eher von Träumen reden als von Wünschen? Beim Weihnachts-Wunsch steht noch der Wunsch, aber schon wenn es an die Manifestation der Wünsche geht, herrschen Sätze vor wie: „Lass Deinen Traum wahr werden!“. Oder statt einem konkreten „Ich wünsche“ sagen wir doch auch häufig abgemildert: „Ich träume von …“.

Und wenn ich hier von Träumen spreche, meine ich natürlich keine Schlafträume, sondern die Träume, die dem wachen Bewusstsein und der Phantasie entspringen.

„I’m dreaming of a white christmas …“

Vorerst werde ich also die Ausdrücke „Wünsche“ und „Träume“ gleichwertig verwenden. Auch, wenn ich schon vermute, dass ein Traum weniger mit eigener Aktion und eigenem Zutun zu tun haben könnte, als ein Wunsch …

Wünsche und Träume: Gibt es doch einen markanten Unterschied?

Bevor ich nun voreilig schließe, will ich mich doch lieber noch einmal selbst befragen, ob es in unserem Sprachgebrauch wirklich keine großen Unterschiede gibt bezüglich der Wünsche und Träume.

Während mir gerade noch Wünsche und Träume doch ziemlich einerlei erschienen, stelle ich nun erschrocken fest, dass sehr wohl ein Unterschied besteht:

Ein Wunsch bezieht sich doch immer auf etwas konkret Erreichbares, oder? Ein Traum dagegen darf sich auch auf etwas völlig Irreales beziehen.

Der Traum beinhaltet etwas Schönes, „traumhaftes“, das wir uns vielleicht niemals zu wünschen wagen würden. Vom Traum erwarten wir doch oft auch gar nicht, dass er wahr wird. Vielleicht nicht einmal, dass er wahr werden könnte.

Ich vermute einmal: Es gehört zum Wesen des Traumes gerade dazu, dass er niemals wahr wird, dass er in unerreichbarer Ferne unbeschadet verweilt. Der Traum ist pure Romantik.

Ein Traum ist pure Romantik

Damit erfüllen Träume eine sehr wichtige Funktion in unserem Leben. Sie prägen unsere Weltsicht, unsere Ethik und Ästhetik, unsere Interessen, unseren gedanklichen Reichtum. Und wenn es dann mal nötig wird, können manche Träume auch wunderbare Tröster sein. Eventuell können unsere Träume auch ein Traumland Phantasien sein, in das wir uns in schwierigen Zeiten flüchten können. (Wie der schüchterne Bastain in Michael Endes „Die unendliche Geschichte„.)

Ein Traum kann auch ein Leben lang als trostreicher Anker dienen für ein erträumtes Leben in einer Traumwelt oder nüchterner: Parallelwelt, das wir ziemlich wahrscheinlich niemals führen werden. Denke nur an all die heiß und innig geliebten Schnulzenfilme und die Bezeichnung Hollywoods als Traumfabrik!

LEBE DEINEN TRAUM!
LASS DEINEN TRAUM WAHR WERDEN!

Wenn das alles zutrifft, was ich so erahne über Wünsche und Träume, sind diese beiden ermutigenden Aufforderungen in der Überschrift also nicht ganz zutreffend. Heißen müsste es meinem Ansinnen nach:

Erkenne Deine Träume!
Verwandle Deine Träume in Wünsche!
Und lass dann Deine Wünsche wahr werden!

Eine magische Weihnacht ist dann wohl eine Weihnacht, in der zwar keine Träume erfüllt, in der aber sehr wohl Wünsche wahr werden.

 

 

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