Interessante Erfahrung

Eine interessante Erfahrung durfte ich heute erleben.

Gestern Abend, spät abends, gestern Nacht nahm ich mir die Muße, in aller Ruhe in mich zu schauen, um mir klar darüber zu werden, welche Wünsche ich zur Weihnacht habe. Ich wollte das aber nicht nur irgendwie in Gedanken wischiwaschi wissen, sondern ganz genau, ganz konkret.

Also tat ich das, was ich immer tue, wenn ich etwas wissen will: Ich nahm Stift und Papier und schrieb es mir auf. Wider Erwarten wurde es eine ganz schön lange Liste. Eine Liste, die mich selbst überraschte: Denn es stand gar nichts Materielles auf der Liste. Kein Auto, kein Segelboot, nicht einmal eine Villa im Irgendwo. Dafür standen lauter geistige Fähigkeiten, Erkenntnisse und Persönlichkeits-Eigenschaften auf dem Papier.

Interessante Erfahrung: Der Weg!

Bei allen Wünschen freute ich mich natürlich auf deren Erfüllung, was mich schon jetzt mit innerer Freude erfüllte. Dabei freute ich mich in den meisten Fällen nicht nur auf das Ziel, sondern auch auf den Weg zum Ziel.

Aber ein Wunsch war dabei, ein sehnlicher Wunsch, dessen Ziel ich gerne erreicht hätte, ohne den Weg dorthin selbst gehen zu müssen. Weil mich der Weg mit Angst oder mit ekel oder auch mit beidem erfüllte.

Das Ziel war mir aber doch sehr lieb und so ging ich mit einem inneren Seufzer schlafen. Um einschlafen zu können – dafür brauche ich immer schöne, beruhigende Gedanken – dachte ich konzentriert an dieses Ziel und auch die anderen Wünsche und die Angst und den Ekel vor dem schweren Weg schob ich ganz beiseite. Irgendwann, viel zu spät, schlief ich ein.

Das Wunderbare

Nach, logisch, viel zu wenig Schlaf erlebte ich nun heute dieses Wunderbare: Das, was so mit Angst und Ekel besetzt war, was ich aber tun musste, damit mein Wunsch, dieser besondere eine Wunsch, auch in Erfüllung gehen kann, floss mir heute wie alleine von der Hand. Als würde eine Zaubermacht mich leiten; von Angst und Ekel keine Spur!

Nein: Freude und Stolz über mich, dass ich die verhassten Aufgaben nun endlich angehe. Freude und Stolz über mich, dass es mir so ein Leichtes ist, das zu tun, was Monate- und jahrelang mir stets die Stimmung verhagelte, wenn ich nur daran dachte.

Heldentum

Jetzt sollte mich alle sehen können, was für ein heldenhafter Held ich doch bin!

Na ja; nüchtern betrachtet weiß ich wohl, dass zahlreiche andere, vielleicht die meisten, mit solchen Aufgaben überhaupt keine Schwierigkeiten haben und deshalb meinen inneren Jubel auch nicht verstehen könnten. Doch für mich war es ein großes Ereignis.

Die interessante Erfahrung dabei

Was mir sicherlich noch häufiger zu denken geben wird, ist die interessante Erfahrung, dass mir ein schwerer Weg offenbar sehr leicht fallen kann, wenn ich dessen Ziel, die Erfüllung eines großen Wunsches im Blick habe. Und nicht die lästigen, notwendigen Schritte bis dorthin.

Es mag gut sein, dass diese Erkenntnis Dir und allen meinen Freunden seit Jahr und Tag vertraut ist. Mir ist diese interessante Erfahrung aber neu und ein großes Glück. Das Glück, immer noch dazulernen zu können und zu dürfen.

 

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